Ein Depot als Alternative zum Sparbuch – sinnvoll oder einfach nur riskant?
Sicherheit in Finanzdingen steht für die meisten Bundesbürger mit weitem Abstand an erster Stelle. Obwohl der Leitzins bereits seit 2009 stetig sinkt und seit ca. 2015 auf einem historisch niedrigen Niveau festzukleben scheint, setzen deutsche Sparer weiterhin auf niedrig bis gar nicht verzinste Spareinlagen. Da die Regierung versucht, die Inflationsrate immer knapp unter 2 % zu halten (Ende 2018 lag sie bei 1,6 %), bedeuten die niedrigen Zinsen, dass die Kaufkraft des angesparten Betrags real immer weiter abnimmt. Dieser Vorgang wird auch als „schleichende Enteignung“ bezeichnet. Finanzexperten warnen bereits seit Jahren davor, weiterhin auf die altbekannten Möglichkeiten der Geldanlage zu setzen. Dennoch sind Sparbücher der Deutschen liebstes Kind.
Das Depot ist kein Ersatz, sondern eine wichtige Ergänzung
Sparbücher sind nicht per se schlecht. Bei einer gut durchdachten Finanzstruktur gehören sie unbedingt eingeplant. Aus jedem Anlagehorizont sollten auch Produkte gewählt werden:
- Sehr kurzfristig: bis 12 Monate – idealerweise Tagesgeld oder zweites Girokonto
- Kurzfristig: 12–36 Monate – Sparbuch, Tagesgeld
- Mittelfristig: 36–84 Monate – Festgeld, Bausparen
- Langfristig: 85–X Monate – Wertpapierdepot, Immobilien, Renten- oder Lebensversicherung
Eine solche Mischung der Geldanlage hat viele Vorteile. Sehr kurzfristige Angebote sind ungeschlagen, falls im Notfall sofort auf Geld zugegriffen werden muss. Es gibt keinerlei Kündigungsfristen zu beachten und keine Abschläge bei der Summe zu befürchten. Allerdings sollte die auf dem Konto befindliche Geldmenge nicht größer sein als auch tatsächlich innerhalb von 12 Monaten voraussichtlich ausgegeben werden muss.
Euros und Taschenrechner / Pixabay - Public Domain Bilder / Creative Commons CC0 (CC0 1.0)
Die kurzfristen Anlagen dienen den Ausgaben, die von Zeit zu Zeit auf jeden Menschen zukommen. Beispielsweise kann das Geld für den Möbel-/Autokauf, kleinere Reparaturen oder Urlaubsreisen verwendet werden. Bis zu 2.000,- Euro sind auch von einem Sparbuch ohne Kündigung abhebbar, darüber muss entweder eine Kündigungsfrist eingehalten werden oder es werden Vorschusszinsen fällig. Allerdings ist die Höhe dieser Gebühr in Niedrigzinsphasen sehr gering (Beispiel: 5.000,- Euro ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist abheben kostet je nach Zinssatz ca. 0,40 Euro).
Die mittelfristigen Verträge bringen wenigstens ein paar Zinsen oder werden durch staatliche Fördermaßnahmen unterstützt. Reich wird aber auch damit leider niemand. Die Rendite liegt in den meisten Fällen immer noch weit unter der Inflation. Gedacht sind derartige Anlagen vor allem für größere Reparaturen an der eigenen Immobilie, können aber natürlich auch für ein Auto oder andere Dinge ausgegeben werden, die etwas hochpreisiger sind.
Obwohl also für alle drei Zeithorizonte gilt, dass das Geld real immer weniger wert ist, sollte keine der Möglichkeiten ausgelassen werden. Vor allem gilt nämlich in allen Fällen: Wer vorgespart hat, ist im Fall der Fälle nicht auf einen Kredit angewiesen. Da Kreditzinsen nicht selten über 5 % p. a. liegen, ist hier eine hohe Ersparnis möglich. Die Grundregel lautet immer: genug zurücklegen, aber auf keinen Fall zu viel. Dass auch sicherheitsbewusste Personen diese Regel unbedingt einhalten sollten, kann folgendes Beispiel noch einmal verdeutlichen:
Wer 1998 ein variabel verzinstes Sparkonto mit 20.000,- Euro befüllt hat, bekam, sofern er den durchschnittlichen Zinssatz für Spareinlagen (im Durchschnitt 1,42 % p. a.) der letzten 20 Jahre erhielt, 2018 durch den Zinseszinseffekt den stolzen Betrag von 26.504,79 Euro raus.
Das klingt ziemlich gut, doch die durchschnittliche Inflationsrate beträgt für die gleichen 20 Jahre leider 1,4717. Somit ist der Kaufkraftverlust höher als die gutgeschriebenen Zinsen. Das Sprichwort „Spare in der Not, so hast du in der Zeit“ müsste also dringend ergänzt werden, denn es ist einfach nicht egal, wie das Geld zur Seite gelegt wird.
Chancen nutzen und Risiken minimieren
Der langfristige Bereich dient zum Vermögensaufbau. Die Weltbevölkerung wächst stetig und dementsprechend wächst auch weltweit die Wirtschaft. Um an diesem Wachstum teilzuhaben, eignen sich Wertpapiere ideal.
Wer sein erstes Depot eröffnet, wird erstaunt sein, wie viele Fragen dabei gestellt werden. Im Wertpapierhandelsgesetz gibt es strenge Vorgaben, welche Aspekte geklärt werden müssen. Relevant ist beispielsweise, welcher Zweck mit dem Depot verfolgt wird und wie die finanzielle Gesamtsituation aussieht. Denn auch wenn ein Kunde bereit ist, mit dem anzulegenden Betrag ein hohes Risiko einzugehen, bedeutet dies nicht, dass riskante Papiere auch wirklich geeignet sind. Wird das Geld z. B. für die Rentenzeit dringend benötigt, so ist auf jeden Fall eine sicherere Anlagevariante anzuraten. Alles, was besprochen wird, wird im Beratungsprotokoll notiert. Dadurch ist auch nach vielen Jahren noch nachvollziehbar, welches Ziel der Anleger mit seinem Depot verfolgen wollte, was der Berater empfohlen hat und welche Order der Depotinhaber schließlich erteilt hat.
Die richtige Zusammenstellung der Wertpapiere ist besonders wichtig, wenn ein Depot in puncto Sicherheit annähernd mit einem Sparbuch vergleichbar sein soll. Wird der komplette Betrag nur in wenige Papiere investiert, kann der prozentuale Verlust, wenn auch nur eine einzige Anlage nicht läuft, enorm sein.
Wichtig ist es daher, eine möglichst große Streuung zu erreichen. Das bedeutet, dass viele verschiedene Klassen gemischt werden, also Anleihen, Aktien und evtl. sogar Immobilienfonds im Depot enthalten sind. So wird ein größerer Verlust verhindert, falls ein Markt gerade nicht so gut läuft. Außerdem bietet es sich an, weltweit zu investieren. Eine besonders gute Entscheidung ist es, gar keine Einzelpapiere zu ordern, sondern ausschließlich unterschiedliche Fonds zu kaufen. Da diese bereits viele verschiedene Werte enthalten, kann so das Einzelrisiko besonders kleingehalten werden.
25. April 2019 >> Zurück zum Archiv