Fahrradfreundliche Städte in Deutschland – ein Überblick

 

Regelmäßig führt der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) Umfragen unter deutschen Radfahrern durch, um die Fahrradfreundlichkeit deutscher Städte zu bewerten. Im aktuellen Fahrradklimatest gaben rund 80.000 Radfahrer aus 322 Städten in 27 Fragen Auskunft darüber, wie sie die Atmosphäre, die Sicherheit und den Komfort ihrer Heimatstadt bewerten, wenn es um die Nutzung des Fahrrades im Stadtverkehr geht. Zwölf Gemeinden wurden dabei als „Spitzenreiter“ und „Aufholer“ in puncto Fahrradfreundlichkeit ausgezeichnet. Welche Faktoren eine Stadt fahrradfreundlich machen und wo noch Verbesserungspotenzial liegt? – im Folgenden werden die Einzelheiten erklärt.

 

Fahrrad

Wie fahrradfreundlich sind Städte in Deutschland? Worauf kommt es an und was lässt sich verbessern?

 

Was macht eine Stadt fahrradfreundlich?

Viele Faktoren entscheiden darüber, ob Radfahrer ihre Heimatstadt als fahrradfreundlich bewerten. Im Fragebogen des Tests wurden Gebiete von Infrastruktur über Sicherheit bis hin zum Komfort beim Radfahren jeweils in mehreren Fragen beleuchtet:

 

Fahrrad- und Verkehrsklima: Dieser Themenbereich fragt ab, ob sich Radfahrer innerhalb einer Gemeinde akzeptiert fühlen. Wirbt eine Stadt stark für die Benutzung des Rads und wird in den lokalen Medien positiv über Radfahren berichtet oder sind eher Unfälle und Fehlverhalten von Verkehrsteilnehmern auf dem Fahrrad ein Thema? Nutzen Bürger aller Altersgruppen das Fahrrad als Fortbewegungsmittel oder sieht man nur Kinder Rad fahren? Diese Anhaltspunkte geben Aufschluss darüber, ob Radfahrer einer Gemeinde ihr gewähltes Verkehrsmittel Spaß macht.

 

Stellenwert des Radverkehrs: Die Wichtigkeit des Radverkehrs in einer Stadt wird durch die Menge der Maßnahmen bestimmt, die das Radverkehrsnetz verbessern sollen. Hier stellt sich die Frage, ob eine Gemeinde ihre Radwege regelmäßig reinigen lässt und im Winter für den Räumdienst sorgt. Wird seitens des Ordnungsamtes gut überwacht, dass PKWs nicht auf den Radwegen parken? Schließlich ist zu prüfen, ob die Ampelschaltungen einer Stadt gut auf Rad fahrende Verkehrsteilnehmer abgestimmt sind oder nur Autos und Fußgänger berücksichtigen.

 

Sicherheit beim Radfahren: Die Sicherheit misst sich vor allem an der Anzahl der Konflikte zwischen Verkehrsteilnehmern im städtischen Verkehrsnetz. Kommen kaum Konfliktsituationen zwischen Radfahrern und Fußgängern oder Fahrradnutzern und Autofahrern vor, und sind die Radwege gut ausgebaut und frei von Hindernissen, können sich Verkehrsteilnehmer auf dem Rad sicher fühlen. Wichtig ist insbesondere, dass bei Fahrbahnen, die PKWs und Fahrradfahrer gemeinsam nutzen, keiner dem anderen in die Quere kommen kann. Schließlich ist ein weiterer Sicherheitsfaktor für Radnutzer, ob Fahrräder in einer Gemeinde häufig gestohlen werden.

 

Komfort beim Radfahren: Komfort bedeutet für Fahrradfahrer in erster Linie, dass die Radwege in gutem baulichen Zustand und mit glattem Belag ausgestattet sind. Ein bequemes Fahren ist möglich, wenn die Radwege breit genug angelegt sind, dass schnellere Fahrer Langsamere ohne Gefahr überholen können, und dass Radwege um Baustellen umgeleitet werden, ohne dass die Fahrer zum Absteigen und Schieben gezwungen werden. Schließlich werden für eine komfortable Radnutzung auch ausreichende Abstellmöglichkeiten gebraucht, an denen die Räder sicher angeschlossen werden können. Auf runge-bank.de lassen sich hierzu sehr innovative Konzepte für Städte finden. Darüber hinaus wird durchaus als positiv bewertet, wenn Fahrräder preisgünstig und bequem in öffentlichen Verkehrsmitteln der Stadt mitgenommen werden können.

 

Infrastruktur und Radverkehrsnetz: Die Qualität des Verkehrsnetzes für Fahrräder kann dahingehend bewertet werden, wie schnell und direkt man Ziele in einer Gemeinde mit dem Rad erreichen kann – vor allem das Stadtzentrum. Wichtig sind Wegweiser für Fahrradfahrer, an denen sich auch Ortsfremde gut orientieren können, und die Freigabe der Einbahnstraßen in der Gegenrichtung für Radfahrer. Zuletzt ist das Vorhandensein von Leihfahrrädern ein besonders positiver Faktor, wenn sie für jeden einfach, zuverlässig und preisgünstig nutzbar sind.

 

Was haben die Gewinnerstädte besonders gut gemacht?

Münster ist zur fahrradfreundlichsten Stadt Deutschlands gekürt worden – insgesamt zum 5. Mal. Was macht die westfälische Universitätsstadt in den Augen der ansässigen Radfahrer so gut im Vergleich zu anderen Gemeinden im Test?

 

  • Winterdienst: Münsteraner Fahrradnutzer bewerten besonders positiv, dass Radwege im Winter geräumt und gefahrlos zu nutzen sind.
  • Verkehrsnetz und Infrastruktur: Die rund um die Altstadt führende Promenade ist ausschließlich für Radfahrer und Fußgänger angelegt; es gibt viele Fahrradstraßen, Einbahnstraßen, die für Räder auch in der Gegenrichtung freigegeben sind.
  • „Alle fahren Fahrrad“: In den Augen der Münsteraner nutzen Bürger quer durch soziale Schichten und alle Altersgruppen das Rad – das fördert die Identifikation mit umweltfreundlichen Verkehrsmitteln und schafft ein Klima der Akzeptanz.

 

Wo liegt in deutschen Städten das Verbesserungspotenzial?

Trotz allgemeiner Fahrradfreundlichkeit verunglückten im Jahre 2013 über 71.000 Radfahrer im Straßenverkehr – diese Tatsache deutet auf Verbesserungspotential in puncto Verkehrssicherheit hin. Ein Test des ADAC kritisiert vor allem die schlechte Situation der Fahrradfahrer in deutschen Großstädten, und auch in den Schlusslicht-Städten des Fahrradklimatests, Wiesbaden, Mönchengladbach und Bochum, wird über Verbesserungsmaßnahmen diskutiert. Wo liegen die Schwachpunkte deutscher Gemeinden, was die Fahrradfreundlichkeit angeht?

 

  • Zustand der Radwege: Baumwurzeln unter der Fahrbahn und schlechter Belag darauf – die bauliche Substanz vieler Radfahrbahnen in Deutschland lässt zu wünschen übrig.
  • Lücken im Radwegnetz: Nicht selten enden Radwege abrupt, so dass Radfahrer entweder absteigen oder auf eine viel befahrene Straße ausweichen müssen. Manchmal sind für Lücken im Radwegnetz oder schlechte Wege auch die Grundeigentumsverhältnisse verantwortlich; in einem solchen Fall müsste eine Gemeinde die Wege erst ankaufen, um sie auszubauen und an das Fahrradnetz anzuschließen.
  • Gelassene Autofahrer: Häufig wird die mangelnde Gelassenheit und umsichtige Fahrweise deutscher Autofahrer kritisiert, die Radfahrer nicht als gleichwertige Verkehrsteilnehmer betrachten würden. In Ländern, in denen Fahrradfahrer noch mehr zum Stadtbild gehören, etwa in Holland, herrsche eine gelassenere Verkehrsatmosphäre.
  • Service-Angebot für Radfahrer: Als verbesserungswürdig gilt in vielen Städten das Angebot von Leihfahrrädern für jedermann sowie das Reparatur-Angebot durch Werkstätten und Fahrradteil-Automaten.

 

Fahrradständer

Auch Abstellmöglichkeiten für Fahrräder sind ein wichtiger Bestandteil eines fahrradfreundlichen Stadtkonzepts.

 

Fazit

Münster erhält regelmäßig Auszeichnungen, während große Städte wie Köln, Düsseldorf, Hamburg und Berlin traditionell eher schlecht abschneiden – im Bereich der Fahrradfreundlichkeit deutscher Städte scheinen sich keine schnellen Veränderungsprozesse zu vollziehen. Betrachtet man das Verkehrsmittel Fahrrad allerdings eingebettet in einem größeren Zusammenhang, in dem es immer mehr Menschen vom Land in die Metropolen zieht und die Verfügbarkeit fossiler Energien stetig weiter abnimmt, wird deutlich, dass sich deutsche Städte unter den zukünftigen Anforderungen zugunsten der Fahrradfreundlichkeit verändern müssen.

 

28. Oktober 2015     >> Zurück zum Archiv

 

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